Virtuelle Automatensteuer: Warum nur legale Online-Casinos in Deutschland Steuern zahlen

Auf diesem Portal geht es normalerweise um Betriebsprüfungen, Aufbewahrungsfristen und saubere Daten. Heute schaue ich auf eine Branche, in der genau diese Themen eine große Rolle spielen, auch wenn man es nicht vermutet: Online-Casinos. Seit Juli 2021 gibt es dafür eine eigene Steuer, und an ihr lässt sich ziemlich gut ablesen, welche Anbieter legal arbeiten und welche nicht.
Was die virtuelle Automatensteuer ist
Mit dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 wurden virtuelle Automatenspiele und Online-Poker in Deutschland erstmals bundesweit erlaubt, allerdings nur mit einer Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder. Gleichzeitig hat der Bund das Rennwett- und Lotteriegesetz erweitert. Seitdem fallen auf jeden Spieleinsatz 5,3 Prozent Steuer an, beim Online-Poker auf den Einsatz am Tisch. Das betrifft ausdrücklich nicht den Gewinn des Anbieters, sondern den gesamten Einsatz. Wer sich einen Überblick verschaffen will, welche Anbieter diese Regeln erfüllen, findet bei JuraRat eine Übersicht legaler Online Casinos, die regelmäßig gegen die amtliche Whitelist abgeglichen wird.
Warum die Steuer so viel verändert
Eine Steuer auf den Einsatz wirkt sich direkt auf die Auszahlungsquote aus. Ein Spielautomat, der vorher 96 Prozent zurückgegeben hat, muss bei legalen Anbietern anders kalkuliert werden, weil von jedem Euro Einsatz zuerst 5,3 Cent an das Finanzamt gehen. Kritiker sagen, das treibe Spieler zu Anbietern ohne deutsche Lizenz, die mit besseren Quoten werben. Befürworter halten dagegen, dass genau diese Anbieter auch keine Spielerschutzregeln einhalten.
Für Steuer- und Compliance-Fragen ist vor allem interessant, wie die Steuer erhoben wird. Die Anbieter melden ihre Einsätze monatlich und führen die Steuer selbst ab. Das setzt eine lückenlose Aufzeichnung jeder einzelnen Spielrunde voraus, prüfbar und unveränderbar. Im Grunde gelten hier dieselben Gedanken, die ich im Leitfaden zur digitalen Betriebsprüfung beschrieben habe, nur mit deutlich höheren Datenmengen.
Was legale Anbieter außerdem leisten müssen
- Einzahlungslimit: grundsätzlich 1.000 Euro im Monat über alle Anbieter hinweg, kontrolliert über die zentrale Limitdatei
- Einsatzgrenze: höchstens 1 Euro pro Spin bei virtuellen Automatenspielen
- Mindestdauer: fünf Sekunden pro Spielrunde, kein Autoplay
- Sperrsystem: Anschluss an OASIS, damit gesperrte Spieler nicht weiterspielen können
- Werbung: zwischen 6 und 21 Uhr keine Werbung für Online-Casinospiele im Rundfunk und im Internet
All das kostet Geld und Aufwand. Anbieter, die nur eine Lizenz aus Malta oder Curaçao haben, sparen sich diese Pflichten und die Steuer gleich mit. Für Spieler sieht das Angebot auf den ersten Blick attraktiver aus. Rechtlich ist es in Deutschland aber schlicht nicht erlaubt.
Und wie sieht es für Spieler steuerlich aus?
Hier gibt es eine gute Nachricht. Gewinne aus Glücksspiel sind für Privatpersonen in Deutschland grundsätzlich steuerfrei, weil sie keiner Einkunftsart zugeordnet werden. Das gilt für die Spielbank genauso wie für den lizenzierten Online-Anbieter. Anders kann es aussehen, wenn jemand Poker nachweislich wie einen Beruf betreibt. Dann hat die Rechtsprechung schon Einkünfte aus Gewerbebetrieb angenommen. Für den normalen Freizeitspieler spielt das keine Rolle.
Spannend wird es eher umgekehrt: Wer bei einem Anbieter ohne deutsche Lizenz Geld verloren hat, kann dieses nach der aktuellen Rechtsprechung oft zurückverlangen, weil der Spielvertrag nichtig ist. Dazu sollte man aber seine Kontoauszüge und Transaktionslisten gut aufbewahrt haben. Ordnung in den eigenen Unterlagen zahlt sich also auch privat aus.
So prüfst du einen Anbieter
Die Gemeinsame Glücksspielbehörde führt eine öffentliche Liste aller erlaubten Anbieter mit den zugelassenen Domains. Steht ein Casino dort nicht, hat es keine deutsche Erlaubnis, egal wie professionell die Seite aussieht. Achte auch darauf, ob die Domain exakt übereinstimmt. Viele Marken betreiben parallel internationale Seiten, die nicht unter die deutsche Lizenz fallen.
Und noch ein Hinweis, der mir wichtig ist: Glücksspiel ist eine Freizeitbeschäftigung mit Risiko und ab 18 Jahren. Wer merkt, dass es zu viel wird, findet beim Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit unter 0800 1 37 27 00 eine kostenlose und anonyme Beratung.
Warum es den Schwarzmarkt trotzdem gibt
Das Ziel des Glücksspielstaatsvertrags ist die sogenannte Kanalisierung. Spieler sollen vom unregulierten Markt in legale Angebote wechseln, weil sie dort geschützt sind. Ob das gelingt, ist umstritten. Studien und Branchenverbände kommen zu sehr unterschiedlichen Zahlen, je nachdem, wer sie in Auftrag gegeben hat. Klar ist nur: Ein Teil der Spieler bleibt bei Anbietern ohne deutsche Lizenz, weil dort höhere Einsätze, Tischspiele und schnellere Spielrunden möglich sind.
Für die Behörden ist das ein Kontrollproblem. Die Gemeinsame Glücksspielbehörde kann Anbieter untersagen, Zahlungsdienstleister anschreiben und Webseiten sperren lassen. Viele Anbieter weichen aber schnell auf neue Domains aus. Aus Sicht der Datenprüfung ist das bemerkenswert: Während der legale Markt jede Spielrunde dokumentieren und melden muss, gibt es beim Schwarzmarkt schlicht keine Daten, die ein Prüfer anfordern könnte.
Die Datenseite der Regulierung
Spannend finde ich, wie stark die Regulierung auf Daten setzt. Die zentrale Limitdatei prüft bei jeder Einzahlung, ob das monatliche Limit über alle Anbieter hinweg überschritten wird. Die Sperrdatei OASIS wird vor jedem Spiel abgefragt. Dazu kommen die Steuermeldungen und die Aufzeichnungspflichten. Im Grunde ist ein legales Online-Casino ein Unternehmen, das bei jeder einzelnen Transaktion prüfbare Spuren hinterlassen muss. Das kennt man sonst eher aus der Finanzbranche.
Zusammenfassung
Die virtuelle Automatensteuer ist mehr als eine Abgabe. Sie trennt den legalen Markt sichtbar vom Schwarzmarkt, weil nur lizenzierte Anbieter ihre Einsätze lückenlos aufzeichnen, melden und versteuern. Für dich als Spieler heißt das: Ein Blick in die Whitelist dauert eine Minute und sagt mehr über einen Anbieter als jeder Bonus.